Arbeit für alle. Leider für nichts

Durch den bürgerlichen Blätterwald rauscht ein Jubelchor darüber, dass es in Deutschland »nur« noch 3967000 Arbeitslose gibt. Schon das allein mutet angesichts der fast vier Millionen elenden Schicksale zynisch an, doch geradezu zum Hohn wird es, wenn man sich anschaut, was an die Stelle der in den letzten beiden Jahren verschwundenen eine Million Arbeitslosenkarrieren getreten ist. Das sind nämlich genau eine Million prekärer Arbeitsverhältnisse, also »Jobs«, die sich vor allem durch ständige existenzielle Unsicherheit und ein Entgelt auszeichnen, das zum Leben nicht reicht. Bereits 20 Prozent aller Beschäftigten arbeiten für Niedriglöhne – und ihre Zahl nimmt schnell zu. Insgesamt sind die Nettolöhne im letzten Jahr um 1,7 Prozent gesunken, während die Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent zunahm. Nicht nur dieser Zuwachs kam also allein den Unternehmen zugute, sondern sie baten auch noch ihre Arbeiter und Angestellten kräftig zur Kasse.

»Die stärkere Verbreitung von Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung sowie die Liberalisierung der Zeitarbeit haben die Bereitschaft der Unternehmen erhöht, Personal einzustellen«, erläutert der Arbeitsmarktforscher Ulrich Walwel von der Bundesagentur für Arbeit in der »Berliner Zeitung« eine wesentliche Ursache. Was im Klartext heißt, je weniger Lohn gezahlt wird, desto mehr Arbeitsplätze werden auch hierzulande geschaffen. Nach der Praxis, Arbeit ins billigere Ausland zu verlagern, sind nun die Unternehmen längst dabei, die osteuropäischen oder gar asiatischen Niedrigstlöhne nach Deutschland zu holen – und das in großem Maßstab, wie das aktuelle Beispiel der Telekom zeigt, die ihren Beschäftigten neue Arbeitsverträge mit hohen Lohneinbußen und wachsender Arbeitszeit aufnötigen will.

Den Trend könnte man sarkastisch so beschreiben: Wir nähern uns der Vollbeschäftigung. Allerdings um die Preis, dass man beim Lohn leer ausgeht. Arbeit für alle. Aber leider für nichts …

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