In die Katastrophe am Hindukusch

Das Muster ist bekannt. Erst ein »entschiedenes Nein«, dann das »Nein, aber …«, dem das »Kaum« folgt. Schließlich kommt das »Vielleicht«, danach ein »Teilweise ja«, darauf ein Ja, aber …« und am Ende das »Ja« – so uneingeschränkt, wie einst Schröder den USA Solidarität schwor. Darauf besteht Bush jetzt, und seine Busenfreundin Angela Merkel hat weder die Kraft noch den Willen, ihm gegenüber die eigenen Interessen auch nur auszusprechen, geschweige denn durchzusetzen. Was sie zögern lässt, ist allein ihr Machtwille. Natürlich weiß sie, dass zwei Drittel der Deutschen gegen einen Kampfeinsatz in Afghanistan sind, und sie fürchtet, dass deren Votum zwar kaum die SPD stärken dürfte, die beinahe noch versessener auf das afghanische Abenteuer zu sein scheint als die Union, sondern die Linke mit ihrem kompromisslosen Kurs gegen jeden Militäreinsatz im Ausland.

Am Ende jedoch wird sie Soldaten in den Kampf und in den Tod schicken, ohne dass klarzumachen ist, wofür – außer für die Unterstützung der Rambopolitik eines abgewirtschafteten US-Präsidenten. Dass George W. Bush selbst als »lahme Ente« noch in der Lage ist, die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik nachhaltig zu beeinflussen, sagt viel über die angeblich so hervorragenden außenpolitischen Erfolge der Kanzlerin. Sie sind nicht mehr als herbeigeschriebene Legende, fallen in sich zusammen, sobald aus Washington ein leises Lüftchen weht. Vom »entschiedenen Nein« vor einer Woche sind wir in atemberaubender Geschwindigkeit schon über das »Nein, aber …« und auch das »Kaum« hinweg beim »Vielleicht«. Der Verteidigungsminister jedenfalls verspricht für den Herbst ein neues Mandat entsprechend der »konkreten Situation«. Wie die dann sein wird, ist schon heute klar: Schlechter als jetzt, und damit ist sein Ausweichen bereits eine Zusage: »Teilweise ja«; die nächsten Stufen werden folgen.

Und auch an das unwillige Volk ist gedacht. Im Wahlkampf, so heißt es, dürfe das Thema keine Rolle spielen. Dabei hatte doch Angela Merkel gerade erst lauthals verkündet, in Wahlkämpfen gebe es keine Tabus; mit dieser Begründung begrüßte sie ausdrücklich, dass Koch in Hessen ein Thema aufgegriffen habe, das viele Menschen bewege. Das Thema »Deutsches Kanonenfutter für die USA« soll jedoch unabhängig von seiner offensichtlichen Bedeutung für die Menschen 2009 erst nach der Bundestagswahl wieder auf die Tagesordnung kommen. Auch das verrät, wohin die Reise geht. In die Katastrophe am Hindukusch.

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