Vom D-Day zum P-Day

(pri) Vor 70 Jahren waren es noch US-Amerikaner und Engländer, die zwar von Franzosen sehnsüchtig erwartet, von den damaligen deutschen Besatzern aber mit heftigem Sperrfeuer empfangen wurden. Sie kamen dennoch an diesem 6. Juni 1944, der seither »D-Day« heißt, in diesem Jahr aber wohl einen neuen Namen erhielt: P-Day. Denn der diesmal sehnsüchtig erwartete, gleichwohl von den Erwartungsfrohen mir Sperrfeuer bedachte, war keine »decision«, keine militärische Entscheidung also, sondern – Wladimir Putin.

Obwohl vom amerikanischen Präsidenten gerade erst zum Paria erklärt und mit Kontaktverbot sanktioniert, rissen sich um das russische Staatsoberhaupt vor allem die engsten Verbündeten der USA. Allen voran der britische Premier Cameron, der Putin schon am Flughafen abfing, sich dann aber mit mit seiner Standpauke für den Russen brüstete: kein Händedruck und scharfe Worte. Frankreichs Präsident Hollande war nicht von solch britischer Hemdsärmeligkeit, an die Europa auch in anderer Hinsicht gerade wieder erinnert wurde, sondern lud ihn ganz manierlich in seinen Amtssitz, den Elyssee-Palast zum Staatsdiner. Für seinen amerikanischen Kollegen war dort damit natürlich kein Platz, zumal er ja dem »Leibhaftigen« persönlich hätte begegnen können. Also musste Obama in ein Restaurant ausweichen, wo Hollande mit ihm wenigstens die Vorspeise nahm, um dann zum Hauptgang mit Putin zu eilen.

Heute wird nun auch die Kanzlerin dem russischen Präsidenten ihre Aufwartung machen, gewiss ein wenig die Augenbrauen hochziehen – etwa wie gegenüber Obama, als sie auf ihr abgehörtes Handy zu sprechen kam – und dann einige Gemeinplätze in die Fernsehkameras sprechen. Und dann heißt es Aufstellung zum Gruppenfoto, über dessen Logistik die ganze Nacht zuvor intensiv verhandelt wurde: Wer soll, will oder darf neben Putin stehen, dessen Landsleute vor 70 Jahren schon zu zig Tausenden gestorben waren, ehe sich der Westen zu dieser »decision« gegen Hitler aufraffte. Vermutlich siegt die »political correctness« und links wie rechts neben dem Russen klafft eine Lücke – was ihn nach den Regeln der Bildrezeption erst recht in den Mittelpunkt rückt.

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Eine Antwort zu “Vom D-Day zum P-Day”

  1. Kai Guleikoff sagt:

    Ohne die Russen wäre der Erfolg von D-Day vor 70 Jahren fraglich geworden. Erst mit der Vorverlegung der Operation Bagration auf den 22. Juni 1944 entlastete die russische Westfront die Alliierten, die in der Normandie nicht weiterkamen.

    Wladimir der Große war sich dessen bewußt und konnte dem Wunsch des westeuropäischen Mainstream nicht genügen, der auf den Eklat (wegen der Ukraine-Krise) gesetzt hatte: Putin mit sich allein am Strand!

    Herr Hollande betonte in seiner Festrede sogar (erstmalig) die herausragende Bedeutung der damaligen Sowjetunion am Sieg über Nazi-Deutschland.
    Der Auftrag der russischen Marine, für ihren Bedarf zwei Flugzeugträger in Frankreich bauen zu lassen, mag diese Würdigung erleichtert haben.
    Auch unsere Königin Angela strahlte in ihrem besten „Jung-Mädchen-Lächeln“ bei der Begegnung mit Putin, nach ihrem Motto „Muß noch schnell die Welt retten…“ (s. Text von Tim Bendzko).

    Herr Cameron allein blieb der Generallinie des Oberherrn Obama (traditionell) treu verpflichtet: Dem Ausgestoßenen aus dem G 8 – Kreis einmal richtig die „Kante“ zu zeigen. Die verweigerte Handreichung wird den hartgesottenen Putin nicht beeindruckt haben – sonst hätte er mit einem Tritt gegen das britische Schienbein geantwortet …

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