Kosovo – Lunte am Pulverfass des Separatismus

Demnächst erhält Europa einen neuen Staat – Kosovo. Ein Mini-Staatlein, allein kaum lebensfähig, wird es am Tropf der EU hängen, in der einige mit großem Unbehagen das kleine Gebilde sehen, aber keine Traute oder auch nicht die Kraft haben, sich gegen die Mehrheit und vor allem die USA durchzusetzen, die den Europäern das faule Ei ins Nest gelegt hat, um die eigenen Interessen zu sichern.

Denn was in der öffentlichen Debatte über Kosovo kaum ein Rolle spielt, ist einer der entscheidenden Gründe für die Staatenbildung – der US-amerikanische Militärstützpunkt Bondsteel im Süden des Fleckens. Er ist mit 400 Quadratkilometern Fläche einer der größten in Europa und wird ausschließlich von der US-Army genutzt, die sich dort auch nicht in die Karten gucken lässt. Zwar haben die USA weitere Basen in fast allen Ländern des früheren Warschauer Vertrages errichtet, gewissermaßen ein Cordon sanitaire rund um Russland, doch erscheinen ihnen die meisten angesichts innerer Debatten als zu unsicher. Kosovo jedoch, die künstliche Schöpfung von EU und USA, dürfte sich zuletzt um die Souveränität über das Militärareal kümmern; es hat genügend andere Sorgen.

Dass dabei aber auch große europäische Länder mitspielen, obwohl das Land eher eine Last als ein Gewinn für die Europäer zu werden verspricht, hat vor allem den Grund, ihr historisches Versagen aus den 90er Jahren vergessen zu machen, als eigennützige Interessen dazu führten, das traditionelle Pulverfass Balkan erneut aufzumunitionieren. Ohne Not und allein aus machtpolitischen Erwägungen wurde damals der stabile Zentralstaat Jugoslawien zerschlagen, indem führende EU-Staaten – vor allem der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher spielte dabei eine unrühmliche Rolle – nationalistischen Bestrebungen in den jugoslawischen Teilrepubliken eilfertig nachgaben, ganz nach dem klassischen Prinzip »Teile und herrsche«.

Ging das bei Slowenien noch halbwegs gut, führte es bei Serben und Kroaten aufgrund seit Jahrzehnten schwelender territorialer Ansprüche schnell zu explosiven Gewaltausbrüchen. Auf die Gewalt, die damals von vielen Seiten ausging, jedoch lange fast nur beim zum ideologischen Gegner erklärten Serbien angeprangert wurde, fielen der EU nicht etwa friedensorientierte Deeskalationsstrategien ein, sondern – wohl schon damals unter dem Druck der stets militärische Lösungen favorisierenden und zudem egoistische Absichten verfolgenden USA – nur eigene Gewaltaktionen. Ein anderer deutscher Außenminister, Joschka Fischer von den Grünen, die in inzwischen fernen Vorzeiten einmal die Partei der Friedensbewegung waren, kam über solche Widersprüche in derartige Argumentationsnnöte, dass er zur großen Keule griff und das gewiss brutale Vorgehen des serbischen Präsidenten Milosevic mit Hitlers Auschwitz gleichsetzte.

Die Abspaltung Kosovos ist die logische Fortsetzung dieser verfehlten Politik. Sie wird nicht nur auf dem Balkan zu einem erneuten Aufschwung separatistischer Bestrebungen führen, die dort – wie in Bosnien mit Serben und Kroaten, aber auch in Mazedonien und Montenegro – seit langem mehr oder minder schwelen. Auch anderswo in Europa könnten Sezessionisten ermutigt werden, ihre Forderungen unter Hinweis auf Kosovo zu erneuern, weshalb einige EU-Staaten wie Zypern, Slowakei, Griechenland und Rumänien ihre Ablehnung indirekt dadurch bekunden, dass sie eine neue UNO-Resolution zu Kosovo verlangen, die aber wegen des zu erwartenden russischen Vetos nicht realistisch ist. Aber auch Italien und Spanien sehen mit Blick auf Separatisten in den eigenen Ländern die Gefahr eines Präzedenzfalls, und Russland verwies darauf, dass Südossetien und Abchasien ein gleiches recht wie Kosovo für sich beanspruchen könnten.

So ist absehbar, dass der Balkan Europas gefährlichster Unruheherd bleibt – keine schicksalhafte Fügung, sondern das absehbare Resultat eine europäischen Politik, der es nicht um Ausgleich und Zusammenarbeit geht, sondern um Machtpositionen und die Durchsetzung jeweils eigennütziger Interessen.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Eine Antwort zu “Kosovo – Lunte am Pulverfass des Separatismus”

  1. paul jurisic sturm sagt:

    ein sehr guter und realistischer bericht.

    stellen sie sich vor der westen europas mutiert zu dem was es jahrzehntelang abgelehnt hat.
    es ist doch ein 2. warschauer pakt (nur in blau)
    die massen lässt mann mit aufgesetzten kopfhörern und augenbinde party feiern
    seit es nur noch eine weltmacht gibt und den anderen steine in den weg gelegt werden.
    errinnert mich das ganze an ein in demfall globales einparteiensystem in dem alle anderen die vorgeschrieben linientreue die die usa vorschreiben folgen MÜSSEN.
    das ich heute zwischen cholera und pest wählen kann ist soviel demokratie wie in den komunistischen parteien des ostblocks. und das findet heute alles im westen statt.
    deshalb ist mein motto mehr mut zum demokratischen legalismus.
    denn das ist das was westeuropa den wohlstand und den frieden gebracht hat. der demokratischer legalismus (republik oder monarchie odr sonst ein system ist dabei egal) hat erst eine eu ermöglicht und den frieden zwischen den europäischen völlkern gebracht.
    heute steuert man mit vorsatz auf ein grosses unheil zu indem man die gesetze einfach aus gründen der stärke missachten will.
    und das merken sich die kleinen satelitenstaaten die zur diesen völkerrechtsbrüchen mzur mittäterschaft gezwungen werden.
    diese kleinen staaten die haben ja schliesslich zum zusammenbruch jedes totalitären imperiums beigesteuert. mit der nato wird es nicht anders sein als mit dem warschauer-pakt. es reicht nur eine wirtschaftskriese ausgelöst durch nen börsencrash und energieknappheit, und die kleinen werden nach asien oder russland aufschauen und deutschland, frankreich, italien den rücken kehren.

    russland bittet regelrecht um einhaltung des völkerrechts im falle der serbischen provinz
    stellen sie sich vor russland fängt auch an mit raketenschildern in weissrussland oder serbien an, stellen sie sich vor russland schickt auch ohne un-mandat truppen in den norden kosovos, ist es das was europa will?
    glaube ich nicht.
    deshalb verstehe ich die des vielvölkergebildes eu politiker nicht warumm sie selbst das völkerrecht und die UN mit füssen treten wo dieses den schutz dastellt für die europäer von einem eu-bürgerkrieg.
    ich verstehe auch nicht warumm eu behauptet das kein kompromiss möglich sei.
    der beste kompromiss ist doch in dem alle bekommen was sie brauchen (und nicht was sie wollen)

    eu- ihre mission und die verwaltung des kosovos
    usa – ihren bondsteel base
    albaner- als volk unabhängig von belgrad als teritorium höchst autonom von belgrad (der schnellste weg in die eu)
    serbien- die von der un garantierte teritoriale integrität
    russland- das völkerrecht
    un- das sichern der eigenen zukunft.

    dagegen ist der ahtisaari-plan nur ein säuberrungsplan für nichtalbanische ethnien im kosovo.
    aber es muss immer schief lauffen wenn eine seite zu mächtig ist.
    denn bushs reden sind wie die der sowjets
    ein steuble ist mit seinem abhörungswahn schlimmer als ein mielke.
    rudolf scharping & jamie shea hatten die rolle eines göbbels im nato-agressionskrieg.
    deshalb ist meine frage ist das was europa will?

    sollten nicht die gesetze (auch völkerrecht) unabhängig von rasse farbe ethnie sein.
    serbien will nur das von der un-garantierte recht auf teritoriale integrität, (sonst nichts)

    deshalb fordere ich mehr mut zum demokratischen legalissmus.

    und zuletzt nur als denkanstoss:

    stellen sie sich vor alle hätten 1941 die geforderte linientreue mitgetragen, es wär nie zum 2. weltkrieg gekommen, aber ein paar völker gäbe es heute nicht (darunter juden serben und roma).
    in solchen fällen ist wiederstannd besser als rechtloser frieden in dem menschen ausgerottet werden.

Hinterlasse eine Antwort

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu erstellen.