Bushs Welt – zum Beispiel Pakistan

Er wollte die Demokratie ins »unzivilisierte« Asien bringen und fing mit Afghanistan 2001 an, ließ zwei Jahre später Irak folgen. Beides gewiss keine sehr demokratischen Staaten, doch so lebensfeindlich wie heute waren sie nicht, bevor George W. Bush seine Truppen in sie entsandte. Seine Politik der »Demokratisierung«, wenn sie denn je ernst gemeint war, ist total gescheitert. Und nicht einmal die eigennützigen US-amerikanischen Interessen, die er mit beiden Feldzügen durchzusetzen versuchte, waren zu realisieren; nur verwüstete Länder, unzählige zivile Menschenopfer, Tausende tote Soldaten und eine um vieles instabiler gewordene internationale Lage verzeichnet die Bilanz von Bushs Weltbeglückungsideen.

Aber Bushs Welt erkennt man nicht nur dort, wo er Krieg führte, sondern auch da, wo er politischen Einfluss nahm, um zum Beispiel seine Kriegführung zu ermöglichen. Als er seinen Krieg gegen Afghanistan vor sechs Jahren begann, störte es ihn keineswegs, dass er in Pakistan mit dem Putschisten Pervez Musharraf einen Militärdiktator zu seinem engsten Verbündeten machte. Nie drängte er den neuen Freund seither ernsthaft, die Demokratie, die er seinen Feinden so dringend anempfahl, im eigenen Land durchzusetzen; dafür stattete er ihn mit zehn Milliarden Dollar Militärhilfe aus, die Musharraf gern annahm – auch zur Aufrüstung gegen das eigene Volk und den Erzfeind Indien.

Das pakistanische Volk jedoch verstärkte den Widerstand gegen seinen Diktator, es kam zu friedlichen Demonstrationen, die Musharraf blutig niederschlug – ohne dass die USA reagierten. Auch seine Wiederwahl, von der eigenen Justiz als illegal bewertet, setzte er durch, indem er die Verfassungsrichter durch gefügiges Personal ersetzte. Die Opposition, so umstritten sie auch im Lande war, behinderte er massiv, mit einem ersten – missglückten – Attentat auf Benazir Bhutto wurde er in Verbindung gebracht, und auch jetzt deuten manche Indizien daraufhin, dass seine Sicherheitskräfte an dem Anschlag beteiligt gewesen sein könnten. Für ihn ist der Tod der Rivalin ein Gewinn, denn unangefochten steht er wieder da – und vor allem kann er sich auf die USA verlassen, die weiter seine blutigen Hände schütteln werden, denn im Zweifel ist ihnen ein brutaler Gewaltherrscher, der für sie arbeitet, allemal lieber als ein unsicherer Kantonist, sie demokratisch er auch daherkommt.

Für Bush stellt all das kein Problem dar, ist er doch dabei, auch im eigenen Land immer mehr demokratische Regeln außer Kraft zu setzen. Der amerikanische Kongress befindet sich fast schon im Dauereinsatz, um die unzähligen Verstöße gegen Freiheit und Menschenrechte in den USA zu untersuchen; dagegen ernsthaft vorzugehen, gelingt ihm immer seltener, da sich Bush und seine Mannschaft um die Kritik einfach nicht kümmern. Insofern – allerdings schon einige Stufen brutaler und unverfrorener – verfährt Musharraf. Er ist somit zu einem würdigen Vertreter jener Welt geworden, die sich George W. Bush in seinen Visionen vorstellt.

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