Doping nach zweierlei Maß – die Fälle Beerbaum/ Werth und Pechstein

Nun mag man ja das Doping von Pferden für weniger schlimm halten als das Doping von Menschen; hinsichtlich der Ethik des Sports gibt es dabei aber keinerlei Unterschied. In dem einen wie dem anderen Fall handelt es sich um organisierten Betrug. Mit unerlaubten Mitteln verschafft sich ein »Sportler« einen Vorteil gegenüber dem Konkurrenten und verletzt damit eins der Grundprinzipien des Sports, die Fairness.

Umso mehr erstaunt, dass bei der Behandlung von Dopingfällen in zahlreichen Medien offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird. Während die sogar nach eigenen Aussagen anscheinend beinahe gewohnheitsmäßig betriebene Manipulation zur Leistungssteigerung der Pferde bei der deutschen Reiterequipe eher verharmlosend und von einer auf das Wesentlichste reduzierten, also äußerst knappen Berichterstattung begleitet wird, findet die vom Internationalen Eislaufverband ISU verhängte Sperre gegen Claudia Pechstein breiteste Beachtung bis hin zu den vordersten Sendeplätzen und Zeitungsseiten, und von Verharmlosung kann man schon gar nicht sprechen; eher setzen manche auf die dürren Fakten noch ordentlich eins drauf..

Den fortgesetzte Einsatz von Spritzen und Salben bei den gewissermaßen als Adel des bundesdeutschen Sports betrachteten Reitern schilderten die meisten Journalisten mit größter Nachsicht; selbst das offene Eingeständnis des Olympiasiegers Ludger Beerbaum, wonach man dies betreibe, solange es nicht auffällt, entschärften sie als »umstrittene Äußerung zum Umgang mit Medikamenten«. Und natürlich durfte Beerbaum ganz selbstverständlich kürzlich beim Aachener Reitturner starten, das übrigens ohne jede vorherige Diskussion stundenlang vom ZDF übertragen wurde. Auch die gerade des Pferdedopings überführte Dressurreiterin Isabell Werth, ebenfalls eine Olympiasiegerin, kann guter Hoffnung sein, dass ihrem Start bei der anstehenden Europameisterschaft nichts im Wege steht.

Ganz anders bei der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, bei der der internationale Verband nicht nur mit größerer Konsequenz vorging und sofort eine zweijährige Sperre verhängte, sondern wo gleichzeitig eine Medienkampagne losbrach, die bei Dopingvergehen ehemaliger DDR-Sportler zwar nicht neu ist, aber angesichts des so ganz anders behandelten Dopings bei den Reitern eine erstaunliche Dreistigkeit darstellt. So ist hier die Schuldfrage ungeachtet bislang fehlender klarer Beweise für die meisten außenstehenden Beobachter bereits geklärt. Zwar ist es für sie schwierig, angesichts fehlender Fakten die reichlich vorhandene Sendezeit und Spalten zu füllen, doch man gleicht das aus durch die süffisante Beschreibung der jüngsten Auftritte Pechsteins und allerlei Verdächtigungen, die mit ihrem Fall nichts zu tun haben. Wer die Selbstverständlichkeit ins Spiel bringt, doch erst einmal die Beweise abzuwarten, wird diffamiert, und selbst dem Weltsportgerichtshof Cas wird prophylaktisch Objektivität und Sachkunde abgesprochen; es könnte ja sein, dass er ein unabhängiges Urteil fällt und sich von der ideologisch motivierten Medienkampagne nicht beeindrucken lässt.

Es geht nicht darum, Doping zu verteidigen. Wenn Claudia Pechstein gedopt hat, ist die Sperre gerechtfertigt – ebenso gerechtfertigt, wie es eine Sperre gegen Beerbaum, Werth und andere bereits ertappte Reiter wäre. Die Praxis, zwar das gespritzte Pferd aus dem Rennen zu nehmen, nicht aber den dafür verantwortlichen Reiter, ist eine seltsame Form der Doping-Bekämpfung. Das jedoch wird von den sich ansonsten so dopingveruteilend gebenden Journalisten – und auch Politikern – kaum thematisiert, denn es träfe ja die eigenen, als ganzer Stolz vergötterten Schützlinge und nicht den DDR-Sport, dessen jahrelange Überlegenheit ihm auch nach 20 Dezennien noch nicht verziehen wird.

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Eine Antwort zu “Doping nach zweierlei Maß – die Fälle Beerbaum/ Werth und Pechstein”

  1. Markus sagt:

    Mit einem Wort: Pechstein hat auf`s falsche Pferd gesetzt, oder wenn der „Stallgeruch“ nicht stimmt…

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