Wie Angelas Merkels Wille an der Wirklichkeit scheitert

(pri) Die Chancen für den Kandidaten der Sozialisten bei den anstehenden französischen Präsidentschaftswahlen, François Hollande, sind dieser Tage erheblich gestiegen. Das hat er Angela Merkel zu verdanken, denn die deutsche Kanzlerin hat beherzt in den Wahlkampf des Nachbarlandes eingegriffen. Sie erklärte nicht nur unmissverständlich, dass sie den Kontrahenten ihres französischen Busenfreundes Nicolas Sarkozy vor der Wahl keinesfalls zu empfangen gedenke – wie es gewöhnlich zwischen zivilisierten Staaten, in deren innere Angelegenheiten man sich nicht einmischt, üblich ist. Sie veranlasste darüber hinaus die konservativen Kollegen in Großbritannien, Spanien und Italien zu gleicher Abstinenz.

 

Natürlich sollte das politische Foul der Bundeskanzlerin nicht Hollande nützen, sondern eben Sarkozy, doch vor dem Hintergrund zahlreicher bisheriger Versuche Angela Merkels, die Welt nach ihrem Willen zu gestalten, die allesamt kräftig in die Hose gingen, muss letzterer nach dem Gesetz der Serie nun endgültig um seinen Wahlsieg fürchten.

 

2010 war sie angetreten, die Laufzeit deutscher Kernkraftwerke gegen alle Vernunft und den absehbaren Widerstand der Mehrheit des Volkes zu verlängern; kein halbes Jahr später holte sie der Super-GAU von Fukushima auf den Boden der Tatsachen zurück, und sie musste nicht nur ihre Pläne aufgeben, sondern den endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft beschließen. Kurze Zeit darauf schlug sie alle Warnungen in den Wind, ein ertappter Plagiats-Betrüger könne in ihrem Kabinett nicht länger Minister bleiben; es dauerte nur einige Wochen, bis der Freiherr zu Guttenberg seinen falschen Doktorhut nahm und über den Ozean verschwand. Und schien wenigstens die undemokratisch in den eigenen Reihen durchgepeitschte Wahl des Bundespräsidenten Christian Wulff noch gelungen, so vergingen keine zwei Jahre, da war der »Wahlsieger« weg vom Bellevue-Fenster, und sein damalige Kontrahent hat alle Aussichten, nun doch noch gegen Merkels Willen zum Zuge zu kommen.

 

Aber auch der Kanzlerin direkte Eingriffe in Wahlkämpfe können Sarkozy wenig Hoffnung machen. So erklärte sie vor der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg diese zum Volksentscheid über das umstrittene Bahnhofsprojekt »Stuttgart 21« – in der Hoffnung, so ihren Parteifreund Stefan Mappus zu begünstigen. Gewählt wurde allerdings mit Winfried Kretschmann erstmals überhaupt in der Bundesrepublik ein Grüner ins Amt des Ministerpräsidenten. Und schon 2008 hatte sie versucht, den Präsidenten eines befreundeten Landes nach der eigenen Vorstellung zu bestimmen, indem sie Barack Obama bei seinem Besuch im Wahlkampf 2008 einen Auftritt vor dem Brandenburger Tor verweigerte. Gewählt wurde er dennoch.

 

Man kann also sagen: Je weniger Angela Merkel einen Wahlkandidaten schätzt und faktisch zum Schmuddelkind erklärt, desto mehr steigen seine Chancen. Insofern kann François Hollande dem Urnengang in Frankreich ganz beruhigt entgegen sehen.

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