Hollywood streikt

Zuerst einmal ganz direkt, indem es sich die Drehbuchautoren nicht mehr gefallen lassen, dass die Verwerter ihrer geistigen Anstrengungen damit immer mehr Geld machen und sie selbst immer weniger davon haben. Und siehe da: Die großen Stars der Late Shows entpuppen sich plötzlich als nicht mehr denn Schauspieler, die ohne einen ordentlichen Text eine ziemlich traurige oder gar keine Figur machen, dafür aber eine Menge Geld bekommen. Ohne die Witze und Sketche aus der Feder vieler namenloser Autoren wären sie nichts. Kein Wunder, dass diese nun auf ihren Anteil am großen Gewinn pochen – ein bisschen so wie unsere Lokomotivführer.

Aber Hollywood streikt auch in anderer Hinsicht; immer weniger zeigen sich Filmproduzenten wie Regisseure und Schauspieler bereit, eine Statistenrolle in George W. Bushs Kriegsinszenierung zu spielen, d.h. mit patriotisch-militaristischen Megaproduktionen die zunehmend kriegsmüden US-Amerikaner bei der Stange zu halten. Im Gegenteil, nachdem sie lange genug diesen Part des nützlichen Idioten gespielt hatten, schauen sie jetzt ihren Zuschauern wieder besser ins Gemüt und drehen Filme, die keine Wunschwelten darstellen, sondern die Realität.

Dabei scheuen sie sich nicht, die eigene Hilflosigkeit auszustellen – wie zum Beispiel Robert Redford, der in »Von Löwen und Lämmern« deutlich macht, wie verzweifelt er über die eigene Regierung ist. Er zeigt einen Senator (Tom Cruise), der gern Präsident werden möchte und dazu den Amerikanern gern den Sieg im Kampf gegen den Terror verspricht – »koste es, was es wolle«. Für diese Botschaft hat er eine Journalistin (Meryl Streep) zu sich bestellt, um ihr Inhalt und Tendenz zu diktieren; als sie das irrwitzige Unternehmen hinterfragt, verweist er eiskalt auf ihre Komplizenrolle beim Irakkrieg und verlangt – ebenso wie ihr Redaktionsleiter – ungebrochene Loyalität ungeachtet aller Zweifel und widersprechender Fakten. Redford zeigt sich auch selbst in der Rolle eines Universitätsprofessors, der verzweifelt gegen die »Keinen-Bock-Mentalität« unter seinen Studenten ankämpft, weiß er doch, dass solche apolitische Haltung nur den Kriegstreibern nützt. Und er vermittelt auch, wohin blinder Patriotismus führt – nämlich direkt ins Kampfgebiet, in den Hindukusch, wo selbst das High-Tech-Arsenal nicht verhindern kann, dass am Ende junge Soldaten elendiglich krepieren. Man kann das zwar im grünlichen Flimmern der Monitore bis ins Letzte verfolgen, aber nicht helfen. Redford weiß natürlich keine Antwort, was seinen Streifen so hoffnungslos macht; ihm bleibt lediglich, die Soldaten an der Front als die »Löwen« zu bezeichnen, die von den »Lämmern« in den Washingtoner Regierungsstuben verheizt werden. Man könnte es aber auch andersherum sehen: Salonlöwen führen um ihrer Karrieren willen junge Lämmer, die von Politik nicht viel halten und daher umso leichter manipulierbar sind, auf die Schlachtbank.

Dazu passend ein anderer Film – »Machtlos« – über die Folterpraxis im Kampf gegen den Terror, organisiert, beobachtet und ausgenutzt vom CIA. Dies ist gewissermaßen die Hollywood-Version von »Das Leben der anderen« – nur weitaus härter, wie es sich für einen Thriller aus der Traumfabrik gehört, und zugleich so schonungs- wie kompromisslos gegenüber dem US-amerikanischen Geheimdienst und seinen Hinterleuten. Allerdings tanzt auch hier einer aus der Reihe und rettet am Ende das Folteropfer. »Das Leben der anderen« wird gern Schulen für den Gemeinschaftsbesuch empfohlen, kann man doch daraus viel über die Vergangenheit lernen. Für »Machtlos« gilt Ähnliches; nur bezieht sich der Lerngewinn hier auf die unmittelbare Gegenwart.

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