Barack Obama überfordert das alte Europa

Mit Worten ist es leicht, zum Beispiel eine neue Strategie gegenüber Afghanistan zu versprechen und überhaupt der islamischen Welt ein besseres Verhältnis als das bisherige in Aussicht zu stellen. Doch mit ihren Taten bleibt die NATO bislang bei ihrem Kurs der hochmütigen Arroganz bis hin zur latenten Feindschaft. Jüngste Beispiele: Die Nominierung des dänischen Ministerpräsidenten für den demnächst frei werdenden Posten des NATO-Generalsekretärs und die harsche Ablehnung des türkischen Wunsches nach EU-Mitgliedschaft durch die Groß-Europäer Deutschland und Frankreich.

Mit Rasmussen entschied sich die NATO in einer Zeit, wo sie vollmundig ein neues Verhältnis zur arabischen Welt ankündigt, für den meistgehassten Europäer von Gaza bis Jakarta, von Bagdad bis Kabul. Dabei spielt keine Rolle, ob die Vorbehalte der Moslems gegen Rasmussen berechtigt sind (was zumindest zu Teilen wohl der Fall ist); entscheidend ist die Botschaft, die man der anderen Seite, mit der man doch angeblich in ein konstruktives Gespräch kommen will, sendet. Und diese Botschaft ist verheerend – vor allem auch deshalb, weil sie ohne jede Weitsicht getroffen wurde und aus sturer Prinzipienreiterei, bei der sich vor allem die Bundeskanzlerin hervortat. Während Barack Obama von Anfang an gegenüber der dänischen Personalie skeptisch war und am Ende wohl nur mitspielte, weil er begriff, dass er das alte, noch weitgehend auf Bush fixierte Europa überfordern könnte, rief Angela Merkel Rasmussen schon zum König aus, als mit der Krone noch heftig jongliert wurde. Obama war es schließlich, der die Sache erfolgreich zu Ende brachte; die Zugeständnisse an die Türken dürfte er nicht ohne eine gewisse Schadenfreude bei den Verbündeten durchgesetzt haben.

Deutschland und Frankreich setzten diese Brüskierung der islamischen Welt – und des verbal so hochgejubelten neuen amerikanischen Präsidenten – tags darauf mit der scharfen Ablehnung einer Aufnahme der Türkei in die EU, die Obama wärmstens befürwortet hatte, fort. Während der US-Präsident weiß, dass die Türkei das einzige NATO-Land ist, dem die islamischen Länder noch in gewisser Weise vertrauen, glauben die Westeuropäer in alter Bush-Manier, sie könnten die Dinge ganz allein bewältigen. Sie beweisen damit, dass sie trotz aller akklamatorischen Begeisterung für Obama von seiner Politik noch meilenweit entfernt sind. Das Wort vom alten Europa, das nicht auf der Höhe der Zeit und ihrer Herausforderungen ist, erhält damit plötzlich eine ganz neue und nicht sehr ermutigende Bedeutung.

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