Der Matschie des Saarlands heißt Hubert Ulrich

Die Entscheidung der Saar-Grünen für die Fortsetzung der CDU-Herrschaft im Lande war seit langem vorhersehbar. Wie in Thüringen Christoph Matschie, so hatte der hiesige Vorsitzende der einstigen Alternativen, Hubert Ulrich, seine Präferenz von Anfang an ziemlich unverhohlen durchblicken lassen und brauchte die sechs Wochen seit der Landtagswahl nur dazu, um die Linkspartei als »Schuldigen« aufzubauen. Und so wie an der Saar der thüringische Ramelow Oskar Lafontaine heißt, so ist Ulrich damit zum saarländischen Matschie geworden. Gemeinsam ist beiden die zahlenmäßige wie wohl auch intellektuelle Unterlegenheit gegenüber der Linkspartei und ihren Protagonisten; sie wollten einfach das Risiko nicht eingehen, in einer solchen Konstellation nur die Nebenrollen spielen zu können.

Die bleiben ihnen zwar nun auch nur, aber wenigstens in der CDU-Wärmestube mit ihrem vertrauten Mief. Dem frischen und für neoliberale Anwandlungen gewiss auch rauen Wind der Veränderung mochten sie sich nicht aussetzen – und schon gar nicht der Unberechenbarkeit neuer politischer Wege. In der Koalition mit Schröders SPD hatten sich die Grünen endgültig von der einst beschworenen Alternative zum herrschenden System verabschiedet. Das Zusammengehen mit der CDU in Hamburg und jetzt im Saarland sind insofern nur die logische Konsequenz ihres Übertritts ins so genannte bürgerliche Lager. Weitere derartige Schritte werden folgen.

Für die Linke ist diese Entwicklung zwar eine Wachstumsgarantie, die politisch allerdings auf absehbare Zeit ohne substantielle Folgen bleiben dürfte. Denn für die Union ist die Umorientierung erst der SPD und nun auch der Grünen viel mehr – nämlich eine Herrschaftsgarantie.

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3 Antworten zu “Der Matschie des Saarlands heißt Hubert Ulrich”

  1. Markus sagt:

    Einen Unterschied zwischen dem Saarland und Thüringen gibt es aber doch: In Thüringen läßt sich die SPD-Parteibasis offenbar nicht kampflos von der Parteiführung um Matschie fremdbestimmen. Diesen Eindruck kann man jedenfalls haben, wenn man Matschies Äußerung heranzieht, wonach in der Partei ein “knallharter Machtkampf” ablaufe, und man sich die Bilder der SPD-Parteiversammlung vom Wochenende ansieht. Ziemlich hoch her scheint es da gegangen zu sein, aber Politik hat auch mit Leidenschaft und Emotion zu tun. Die “grünen Abnicker” im Saarland könnten davon etwas lernen.

  2. rabe sagt:

    zur info:

    jamaika-filz an der saar

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2252095_0_6369_-koalitionsverhandlungen-im-saarland-jamaika-filz-an-der-saar.html

  3. rabe sagt:

    Interessant dazu auch:
    “Unsere Demokratie ist in Not – mehr als allgemein wahrgenommen wird.
    Verantwortlich: Albrecht Müller

    Ein markantes Beispiel dafür ist die Wahl und die Koalitionsbildung an der Saar. „Jamaika-Filz an der Saar“ überschreibt die Stuttgarter Zeitung einen Bericht über die Hintergründe dieses erstaunlichen Vorgangs. (Näheres auch hier bei Telepolis) Die für manche überraschend zustandegekommene schwarz-gelb-grüne Koalition war offensichtlich in einem Interessengeflecht vorbereitet worden. Ein Fall, der das Gesamtgebilde grell beleuchtet. Berlusconi ist überall. …”
    nachdenkseiten, 29,10.2009 Albrecht Müller

    In aller Ausführlichkeit:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4298

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