Der langsame, aber sichere Abgesang des USA-Imperialismus als Weltgendarm

(pri) Auch wenn es derzeit fast so aussieht wie das ganze Gegenteil – so ist das aktuelle Verhalten Donald Trumps gegenüber der Welt und ihrem derzeitigen Zustand nichts anderes als letztlich nur eines: ein Zeichen seiner Schwäche, seines langsamen, aber sicheren Abgesangs des USA-Imperialismus als Weltgendarm.


Er kann sich den Entwicklungen in der Welt nicht mehr entgegenstellen; sie gehen über ihn hinweg – und was er deshalb tut, ist der Versuch, so viel von der ursprünglichen Macht zu erhalten, wenigstens auf den Gebieten, die er als seine Einflusssphäre betrachtet. Und er versucht natürlich, diese Zone zu vergrößern – zum Beispiel mit dem Verbündeten Israel, der ihm helfen soll, die ölreichen Ländern unter Kontrolle zu halten.

Längst hat Trump China und auch Russland längst als die großen Kontrahenten erkannt – und anerkannt, was ihn freilich nicht daran hindert, beide Staaten mit den ihm verbliebenen Mitteln – Waffengewalt und Zollvorschriften – zu schädigen. Die schnelle Entwicklung Chinas von einer Entwicklungsmacht zu einem global-player und die bislang einigermaßen funktionierende Verbindung einer straffen, ideologisch einerseits vorgegebenen, andererseits auch von ihr in Maßen abweichenden Modifizierung dieser Ideologie mit der schnellen Entwicklung der Produktivkräfte im Land ist dafür ebenso ein Faktor wie andererseits die sich aus ihrer Größe und damit ihrer Ressourcenstärke ergebende Großmacht Russland, die darauf auch dann bauen kann, wenn diese Ressourcen nur begrenzt genutzt werden.

Beide Faktoren – China wie Russland – können die USA nicht ignorieren, aber jenseits dessen gibt es in der Welt noch ausreichend Möglichkeiten, sich selbst Einflusssphären zu suchen und unter die eigene Kontrolle zu bringen. Für die USA ist das zunächst die eigene Hemisphäre – also Nord-und Südamerika – und darüber hinaus der wegen seines Ölreichtums so sehr verlockende Nahost-Raum, in dem mit Israel beizeiten ein Verbündeter gewonnen wurde, der sich als amerikanischer Partner versteht und auf dieser Basis auch die eigenen Interessen entschlossen durchsetzten kann.

In Venezuela hat Trump dessen eigene Sphäre auf sich einzuschwören versucht; im Nahen Osten geht er gemeinsam mit dem israelischen Premier Netanjahu ein ähnliches Ziel an, wobei die Tel Aviver Führungskräfte in ihren Methoden weit hinter alle völkerrechtsgemäßen Forderungen zurückfallen, indem sie den politischen Mord zu einer neuen Blüte erheben. Doch das Auslöschen einzelner Feinde hat noch nirgends zur Schwächung eines Systems geführt; es fördert im Gegenteil den Widerstand gegen den Angreifer. Beides erhöht die weltweite Kriegsgefahr ungemein, denn sowohl in Amerika wie im Nahen Osten gibt es Gegenkräfte, die zwar die US-amerikanischen und israelischen Angriffe fürchten müssen, dennoch aber so stark sind, dass ein Sieg der Angreifer noch lange nicht sicher ist.

Trump hofft, dass ihm Israel hilft, seinen Einfluss im Nahen Osten zu erhalten; allein schafft er das nicht, er braucht Israel als den, der die Hauptarbeit leistet. Wenn Israel jedoch scheitert, wird Trump ihm die Schuld geben. Insofern ist auch diese imperialistische Allianz auf Dauer nicht von Bestand – vor allem dann nicht, wenn der erhoffte Sieg ausbleibt.

Mehr als einen Monat dauert nun der Irankrieg; die Folgen jedoch hat die Welt als Ganzes zu tragen. Trump würde gern einen »Deal« mit den Mullahs schließen, den er als Erfolg verkaufen könnte. Diese jedoch haben die Schwäche des Aggressors erkannt und zeigen wenig Bereitschaft zum Einlenken. Sie nutzen den geografischen Vorteil, den ihnen die Hormus-Enge verschafft. Sie zwingen die USA, mit Bodentruppen anzugreifen – oder aber eine Niederlage zu kassieren. Beides ist gefährlich für Donald Trump und seine Zustimmung beim US-amerikanischen Volk. Der Weltgendarm wollte Flagge zeigen – und demonstriert nur seine Schwäche.

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